Bericht Team Arbeit & Bildung über aktuellen Stand im Landkreis

Dr. Georg Strasser, Team Arbeit Breitbrunn, Feb 2016

In Herrsching leben seit einigen Monaten ca. 200 Asylbewerber, in diesen Tagen kommen ca. 100 in Breitbrunn dazu. Die Bewohner in Herrsching werden von ca. 25 „Jobguides“ betreut. Deren Aufgabe ist, ihre Schützlinge zu allererst bei der Arbeitsagentur als Arbeitslos zu melden und dann je individuelle „Karrierepläne“ zu erarbeiten. Solche Pläne sind am Anfang sehr stufenweise aufgebaut und „entwickeln“ den Asylbewerber über 1 EUR Jobs und über Praktika hin zu ersten Festanstellungen als Helfer in einem Unternehmen. Die solcherart erreichbaren Integrationseffekte befähigen den Helfer danach im Erfolgsfall, eine in Deutschland übliche BERUFSAUSBILDUNG anzutreten. Die Berufsausbildung ist unserer Erfahrung nach also etwas, das NACH EINIGEN JAHREN der richtige Schritt in die ganz langfristige und stabile Arbeitsintegration hineinführt. Natürlich gibt es Ausnahmen: Sehr junge Leute, gut vorgebildete Leute mögen den Weg deutlich verkürzen können.

  • Gemäß ihrer Pläne recherchieren die Jobguides offene Stellen im Landkreis, sie präsentieren dort ihre Schützlinge, unterstützen Genehmigungsprozesse und begleiten die ersten Schritte in solche Arbeitsstellen. Wichtig sind auch die Bildungsprogramme der Arbeitsagentur, für die wir Teilnehmer auswählen und in der Agentur präsentieren. Solche Programme sind derzeit die intensivste Förderung, die neben angestammten Integrationskursen seitens des Staates angeboten werden.

  • Die Tätigkeit der Helferkreise, zumal der Arbeitsteams, erfährt auch im Landkreis gerade einen relativ starken „Aufwind“ bzw. Bedeutungszuwachs. Arbeits-Teams der Helferkreise im Landkreis gaben sich bereits im vergangenen Jahr eine Art Dach-Struktur und haben einen Sprecherrat ins Leben gerufen. Mitglieder des Sprecherrates kommen aus Helferkreisen von Tutzing, Starnberg, Gilching und Herrsching. Mit den Helferkreisen des Netzwerkes finden Treffen zum Austausch von Erfahrungen statt. Unterlagen und Informationen für zentrale „Arbeitsprozesse“ der Helfer werden zentral erstellt und ständig a jour gehalten.

  • Der Sprecherrat unterstützt lokale Helferkreise damit im Aufbau, er organisiert den Austausch von vermittlungsrelevanten Daten und Informationen, verschafft den Helferkreisen Synergien und Qualitätszuwächse in den Kernprozessen. Ferner wirkt er als Kontaktstelle zu übergeordneten Institutionen, die im Vermittlungsprozess wichtige Rollen innehaben. Dort werden zentrale Verbesserungsthemen diskutiert.

  • Der Kontakt zur Arbeitsagentur ist derzeit vielleicht am intensivsten ausgebildet. Eine große Zahl von Arbeitshelfern im Landkreis agieren als „Erfasser“ von Asylbewerbern (als arbeitssuchend) und übernehmen somit den klassischen ersten Schritt im Geschäftsprozess der Agentur, stellvertretend für deren angestammte Mitarbeiter (die selber zu dieser Tätigkeit schlicht die Zeit nicht haben). Herr Dieber, der Leiter der Agentur, wird nicht müde dies zu loben. Er ist persönlich unser Ansprechpartner, alle 4 Wochen gibt es einen Jour Fix, auf dem wir anstehende Probleme und Entwicklungsfelder besprechen. Ein Asylbewerber, der nicht erfasst ist, kommt in keinerlei Genuss einer Agenturleistung. Er existiert für die Agentur einfach nicht.

  • Die Helfer unterstützen ferner die AUSWAHL von Asylbewerbern für Bildungsprogramme der Agentur. Diese Auswahl ist entscheidend für den Erfolg solcher Programme. Denn dieser wird schlicht am Vermittlungserfolg nach einer Ausbildung gemessen. Herr Dieber sagt: “Meine Mitarbeiter sind sicher weniger als Helfer in der Lage, eine erste Auswahl von Kandidaten zu machen, denn Helfer kennen Asylbewerber besser, verstehen sie besser und haben für sie mehr Zeit.“ Helfer sind die Personen im Landkreis, mit deren Hilfe man damit Bildungsausgaben besser einsetzen kann.

  • Last but not least agieren die Helfer als regelrechte Arbeitsvermittler und stellen den Kontakt zwischen Asylanten und Unternehmern her, managen die Bewerbung und die Genehmigungsphase und präsentieren den Mitarbeitern der Agentur den „fertigen“ Vermittlungsvorschlag. Letztlich gewinnt die Agentur damit eine bedeutende Anzahl zusätzlicher Mitarbeiter und 16 Filialen im Landkreis dazu. Das ist noch nicht alles perfekt natürlich, es entsteht, aber es ist auf dem Weg.

Mit Herrn Schindler, Chef des Jobcenter und seinen Mitarbeitern besprechen wir in analoger Weise die Zusammenarbeit des Centers mit den Asyl-Helfern im Landkreis. Aus den Ergebnissen formulieren wir „Handbücher“ die beständig präzisiert und fortentwickelt werden. Jeder weiß, dass nach der Anerkennung ein schwieriger Behördenwechsel zu bewältigen ist. Das Jobcenter hätte Mehraufwand, wenn Asylhelfer ihre Schützlinge nicht darin begleiten und die Gespräche bereits in den Unterkünften VORBEREITEN würden.

Die GfW in Starnberg hat ein neues Projekt, fokussiert auf Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt begonnen, die Kontaktebene hinein in die Gruppe der Flüchtlinge werden auch hier die Helfer wesentlich unterstützen. Auf der Start-Veranstaltung im Landratsamt am 17.3. wird die Arbeit der Helfer durch einen Vortrag präsentiert werden.

Die Zusammenarbeit von staatlichen Institutionen, Gewerbeverbänden, Kammern und Innungen mit Asylhelfern entwickelt sich demnach RASANT. Schlicht deshalb, weil es ohne Alternative ist und diese Erkenntnis setzt sich zunehmend durch. In Gräfelfing fand eine Veranstaltung statt zum Thema Arbeitsintegration mit etwa 300 Gästen. Gastgeber war die Gemeinde, der Landrat war zugegen, durch die Veranstaltung führte der Vorsitzende des örtlichen Gewerbevereins, als erstes von 5 Beiträgen wurde eine erfolgreiche Initiative des Helferkreises für Arbeitsintegration vorgestellt. Diese Veranstaltung war für uns der aktuelle „Leuchtturm“ auf dem Weg, das Thema der Arbeitsintegration in starker Weise durch öffentliche Institutionen zu unterstützen und insbesondere die gewerbliche Wirtschaft zu sensibilisieren. Auch in Seefeld konnte man beobachten, dass etwa 80 Gäste des Bürgermeisters vom Leiter der Agentur in Starnberg informiert und motiviert wurden.

Man könnte ja mal die These diskutieren: Wer in 10 Jahren als Unternehmen nicht gelernt haben wird, mit Flüchtlingen als Mitarbeiter zurecht zu kommen, käme in die Nähe der Situation eines Taxi-Unternehmers in Berlin, der sagt, „ich nehme keine ausländischen Fahrer“. Wie viele Fahrer könnte der noch finden?

Die Arbeitsagentur ist durchaus in der misslichen Situation, die Arbeitskräfte nicht mehr beschaffen zu können, die hier in der Wirtschaft gebraucht werden. Das ist nicht nur bei den Fachkräften, sondern sogar im Bereich ungelernter Helfer so: Wenn man in der Jobbörse der Arbeitsagentur nach “Helfer-Stellen” sucht (d.h. OHNE BERUFSAUSBILDUNG), erhält man 50 km rund um Herrsching genau 20 Seiten mit je 10 Stellenangeboten. Das sind nur die offiziell gemeldeten Stellen! Jede solche Stelle wirkt als Wachstumsbremse für unsere lokale Wirtschaft. Natürlich sind Asylbewerber nicht geeignet, bereits heute diese Stellen zu füllen. Aber wir können sie in einem respektablen Ausmaß dazu geeignet machen, wenn wir uns als Deutsche dafür in Bewegung setzen. Unsere These ist: Die Helfer spielen de facto dabei im Moment noch eine ENTSCHEIDENDE Rolle. Sie sind das Scharnier zwischen Flüchtling, Staat, Arbeitsbehörden und Arbeitsmarkt, das im persönlichen Kontakt tatsächlich bedeutende Verständigungs- und Motivationsleistungen erbringt.

Was sind die messbaren Erfolge der Helferarbeit im Moment? Dort wo es intensiv organisierte Helferkreise gibt, liegen Vermittlungsquoten von im Moment bis 20-25% der Arbeitssuchenden vor. Angesichts der Tatsache, dass hierhinter Freiwilligen-Organisationen stecken, die es in vielen Fällen vor 6 Monaten noch gar nicht gab, ist das eine SEHR gute Marke.

Fazit: Gut organisierte Helferkreise etablieren sich insgesamt als wichtige Akteure im Management der Flüchtlingskrise. Jeder Helferkreis, soweit wir wissen, freut sich über weitere Unterstützung, über neue Ideen, über Spenden und Beiträge. Lassen Sie uns gemeinsam an einem Thema arbeiten, das wir schaffen können, aber nicht schaffen werden, wenn wir uns nicht in einer großen gemeinsamen Anstrengung auf den Weg machen.

Auch die Unternehmen sind hier in einer Weise gefragt, die über „normales“ Unterstützen gesellschaftlich relevanter Themen hinausgeht. Sponsoring und Spenden sind natürlich willkommen, aber in allererster Linie geht es darum, Asylbewerber zu BESCHÄFTIGEN. Es gibt rechtlich so gut wie keine Hindernisse, die wir als Helfer nicht für sie leicht und rasch handhaben können. Wir sind darauf spezialisiert, Sie haben damit wenig zu tun. Ihre Aufgabe ist, unseren neuen Mitbürgern, sei es auf Zeit oder beständig, zu zeigen, was es bedeutet in Deutschland zu arbeiten, für seine Existenz zu sorgen und damit einen Beitrag für diese Gesellschaft zu leisten.

Unternehmen sind die Orte, an denen in unglaublich rascher Weise gelernt wird. Deshalb sind sie nicht ersetzbar in der Integration. Wir freuen uns über jeden Unternehmer, der sein Handeln an diesem Gedanken ein wenig ausrichtet, denn selbstverständlich sind diejenigen Asylbewerber die Ausnahme, die heute bereits effizient wie Menschen arbeiten, die unsere Sprache deutlich besser sprechen, hier bereits länger leben und vor allem keine Flucht hinter sich haben. Aber es wird nicht lange dauern, dann ändert sich das.

Melden Sie sich also gerne als Helfer oder als Unternehmen mit offenen Stellen. In Breitbrunn beginnen wir aktuell, denselben Prozess „aufzusetzen“. In Breitbrunn freuen wir uns daher noch sehr über weitere Helfer, die sich gerne direkt melden können unter beruf@asyl-hb.de

Wir machen was draus!