Statement zum freundlichen Gesicht

Statement  zum Helferkreis von Dr. Georg Strasser, Dr. Norberth Natrath und Stefan Wiesinger, Dez. 2015

Wir kümmern uns als Helferkreis um Menschen, die sich bei uns um Asyl bewerben. Der rein humanitäre Gedanke steht bei uns im Vordergrund. Wir wirken aber auch hinein in eine politische Themenfamilie, die unser Land und ganz Europa sehr bewegt. Die Stichworte sind Flüchtlingskrise, IS-Terror, Radikalisierung unserer Gesellschaft in Deutschland, Auflösung und Spaltung der Europäischen Union.

Was ist unser Beitrag?

Zusammen mit all unseren Behörden sind freiwillige Helfer die Menschen, die den Grundsatz des „freundlichen Gesichts“ tatsächlich in die Tat umsetzen. Und wir sind überzeugt, dass dies auch ein Mittel gegen den IS und den von dort ausgehenden Terror ist. Nicht nur in humaner, sondern gerade auch in politischer Hinsicht. Wie meinen wir das?

Wir können gegen den IS nicht nur einen konventionellen Luftkrieg unterstützen.. Wir können der islamischen Welt und insbesondere den von dort kommenden Flüchtlingen das sprichwörtlich freundliche Gesicht zeigen. Wir können Grenzen offen halten, Flüchtlinge integrieren und auf die Textbotschaften vertrauen, die sie ihren Angehörigen im Nahen Osten simsen werden. Wir brauchen nicht ausschließlich konzentriert darauf sein, Häuser und Straßen und Brücken im Gebiet des IS zu zerbomben. Wir können das Vertrauen der Bürger in seine verbrecherischen Führer erschüttern, einfach weil wir eine Alternative, einen Aus-Weg in ein vernünftiges Leben bieten. Wir können persönlich zeigen, dass die Häuser und Straßen und Brücken bei uns die besseren sind. Wir können zeigen, dass man sein Leben ohne starke Feindbilder führen kann. Wir können zeigen, dass wir unser Leben selber bestimmen anstatt es von radikalisierten Fanatikern bestimmen zu lassen.

Wir können helfen, dass der Islam bei uns selber sein freundliches Gesicht, seine sinnstiftende Kraft, seine Hoffnung machende Wirkung entfalten kann. Wir können helfen, dass Feindbilder und Gewalt das politische Denken weder in Deutschland, noch im Islam bestimmen müssen. Wir können helfen, dass hier nicht nur Kirchen, sondern auch Moscheen ihren friedlichen Platz haben können (wie es wohlgemerkt in unserem Grundgesetz steht). Weil wir uns auf demokratische Werte vereinbaren, die unabhängig von Religionen, aber nicht gegen sie gelten.

Insofern ist das „freundliche Gesicht“ ein Instrument gegen alle radikalen Regime in den Herkunftsländern. Wir richten es gegen die Terrorgefahr, die von dort ausgeht. Denn je mehr wir in Deutschland und Europa fähig sind, Flüchtlingen Aufenthalt, Ordnung und Sinn zu geben und damit ein „attraktives Lebensmodell“ erlebbar zu machen, desto mehr werden Diktatoren dort Legitimation, Unterstützung und Definitionsmacht verlieren.

Nicht nur aus moralischen, auch aus politischen Gründen ist demnach wichtig, dass wir die Kapazität unseres Landes zur Integration von Flüchtlingen aufrecht erhalten und fortentwickeln. Wir müssen sie dann nicht zurück in Chaos und Armut und in die Arme unserer Gegner schicken. Barmherzigkeit und das freundliche Gesicht sind wirksame Waffen im Kampf gegen Terror – vielleicht die wirksamsten. Jeder, der mit uns arbeitet hilft, auf diese Weise die Stärke von Deutschland und Europa zu zeigen. Im wahrsten Sinne des Worts.